Das Kchühorn

1.
Untarn slaf tut den sumer wol,
der an straf liblich ruen sol
pey der diren auf dem stro:
in der stiren macht es fro.

Sy:
Ich muzz hyn, mein traut gesell,
ich hab ze lang geslaffen hy pey dir.
Er:
Traut gespil, ge, wy got well,
ich laz dich schaiden nicht so pald von mir.
Sy:
Ja sint dy kchü noch ungemolchen,
darumb ist mir gach:
gespottet wurd mir von den volchen,
sold ich treiben nach.
ain frische, wolgemute diren
kan und waiz gelympf:
dar umb sorg nyman umb dy yren:
ez ist nür yr schympf.

2.
Dy mit lust dem gesellen gut
drukt sein brust – hey, wy wol ez tut! -
der ist zoren, wer sey wekt
mit dem horen und erschreekt

Er:
Herczen Trost, wy wol ich spür,
daz du mir pist ain ungetrëuez weib!
Sy:
Dinst und lon ich gar verlür,
wizz got! nit, daz ich lenger hy beleib.
gehab dich wol, ich küm her wider,
so ich peldist kan,
und leg mich wider zu dir nyder,
herczen libster man.
ain frische, wolgemute diren
kan und waiz gelympf:
dar umb sorg nyman umb dy yren:
ez ist nür yr schympf.

3.
In dem lauzz, so der herter schreit:
ho, treib auzz! hoho, des ist zeit!
sy erwachet nach der mü:
unbesachet sint dy kchü.

Das fügt wol ainem armen knecht,
dem gut und mut stet all zeit in dem saus;
gold und vechs ist ym nit recht,
ym fügt vil paz dy dyren in dem haus:
wenn sy des morgens fru wil haiczen,
so wekt sy yn vor;
sein hercz kan sy zu freüden raiczen,
daz ez swebt enpor.

ain frische, wolgemute diren
kan und waiz gelympf:
dar umb sorg nyman umb dy yren:
ez ist nür yr schympf.

{Musik: Anne Hoeltzenbein, Text: der Mönch von Salzburg; vermutl. Pilgrim II.,
Erzbischof v. Salzburg (1365 – 96), nach F. A. Mayer / H. Riesch: “Die Mondsee –
Wiener Handschrift und der Mönch von Salzburg“, Berlin,1896, Nr. 13}

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