fröit iuch junge und alte

Fröut iuch, junge und alte

„Fröut iuch, junge und alte!
der meie mit gewalte
den winder hât verdrungen,
die bluomen sint entsprungen.
wie schôn diu nahtegal
ûf dem rîse ir süeze wîse
singet, wünneclîchen schal!

Walt nu schône loubet.
mîn muoter niht geloubet,
der joch mit einem seile“,
sô sprach ein maget geile,
„mir binde einen fuoz,
mit den kinden zuo der linden
ûf den anger ich doch muoz.“

Daz gehôrte ir muoter:
„jâ swinge ich dir daz fuoter
mit stecken umbe den rugge,
vil kleine grasemugge.
wâ wilt dû hüpfen hin
ab dem neste? sitze und beste
mir den ermel wider in!“

„Muoter, mit dem stecken
sol man die runzen recken
den alten als eim sumber.
noch hiuwer sît ir tumber,
dan ir von sprunge vart.
ir sît tôt vil kleiner nôt,
ist iu der ermel abe gezart.“

ûf spranc sî vil snelle.
„der tievel ûz dir belle!
ich wîl mich dîn verzîhen;
dû wilt vil übel gedîhen.“
“Muoter, ich lebe iedoch,
swie iu troume; bî dem soume
durch den ermel gât daz loch.“

{Musik: Anne Hoeltzenbein, 2011, Text: Neidhard von Reuental, um 1210 – 40,
nach Moritz Haupt (Hg.): “Neidhards Lieder.“, 2.Aufl., Leipzig,1923}

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